Im Inneren des Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles bauen George Lucas und seine Frau Mellody Hobson etwas, das eher einem filmischen Universum gleicht als einem herkömmlichen Museum. Entworfen von Ma Yansong von MAD Architects, erhebt sich das 11 Hektar große Gebäude im Exposition Park mit fünf fließenden Etagen aus Glasröhren, geschwungenen Treppen und organischen Formen, die nahtlos ineinander übergehen.
Ein Museum, das aus einer Erzählung entsteht
Das Museum, das nach mehreren Zeit- und Budgetüberschreitungen im September eröffnet wird, ist das bislang ehrgeizigste Projekt eines Paares, dessen Leben bereits von Größe und Erfindungsreichtum geprägt ist. Es umfasst mehr als 30 große Galerien und ist um die Sammlung von Lucas und Hobson mit 1.200 Illustrationen herum angelegt, die Lucas persönlich aus einem Bestand von rund 40.000 Werken ausgewählt hat.
Ungewöhnlich für ein Museum ist, dass der Fokus nicht auf der traditionellen Hierarchie der bildenden Kunst liegt, sondern auf erzählerischen Bildern in all ihren Formen. Bekannte Ölgemälde von Künstlern wie Maxfield Parrish und Norman Rockwell stehen neben Comics, Mangas, Konzeptkunst aus Filmen und Fantasieszenen, die von Drachen, Königen und alltäglichen Archetypen bevölkert sind. Das Ergebnis ist nicht die übliche museale Chronologie der Kunstgeschichte, sondern vielmehr eine Landkarte menschlicher Mythen.
Filmreife Größe und Design
Es gibt zwei Kinosäle mit jeweils 299 Plätzen, die zu den besten Vorführräumen Amerikas zählen. Das Gebäude erstreckt sich über fünf Etagen, wobei Caleb Deschanel, ein sechsmal für den Oscar nominierter Kameramann, die Beleuchtung mitgestaltet hat, sodass sich jede Galerie weniger wie eine statische Ausstellung und mehr wie eine gefilmte Szene anfühlt – sorgfältig inszeniert und emotional abgestimmt.
Eine Bibliothek für alle
Die Bibliothek des Museums wird auch ohne Museumsticket zugänglich sein, was sie zu einem der am stärksten auf die Gemeinschaft ausgerichteten Räume der Einrichtung macht. Kinder ab 12 Jahren können sie zudem auch alleine besuchen. Das war ein Detail, das Mellody Hobson besonders wichtig war. Hobson wuchs in Chicago auf und verbrachte oft Stunden in ihrer örtlichen Bibliothek, die sie als Zufluchtsort und Ort der Möglichkeiten beschrieben hat.
Ihre Erfahrungen als Kind haben die Vision des Museums für diesen Raum mitgeprägt: ein offener, einladender Ort, an dem junge Menschen selbstständig erkunden, lernen und Geschichten entdecken können, ganz gleich, ob sie die Museumsgalerien betreten oder nicht.
In vielerlei Hinsicht spiegelt die Bibliothek die übergeordnete Mission des Museums wider – Geschichtenerzählen, Kreativität und kulturelle Entdeckungen für alle zugänglich zu machen. Von den weitläufigen architektonischen Formen bis hin zu den sorgfältig inszenierten Innenräumen unterstreicht alles Lucas’ langjährige Überzeugung, dass Geschichten die Art und Weise sind, wie Menschen die Welt verstehen.